Geschichte
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Ein Ausschnitt aus dem unteren Teil des Gemäldes „Dae-Kwae-Do”, mehr zu diesem Bild unter der Frage „Seit wann gibt es Wettkampf im Taekkyon?”
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Wie alt ist Taekkyon?
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Das ist nicht genau zu sagen. Bis ins Jahr 1446 benutzten die Koreaner ausschließlich chinesische Zeichen. Da kein Zeichen erfunden wurde, dass ausschließlich wie „Taekkyon” oder „Takkyon” ausgesprochen wird, kann man also noch nicht einmal wissen, seit wann das Wort existiert.
In koreanischer Schrift (Hangeul) taucht das Wort erstmalig in dem Buch „Man-Mul-Bo” (auch „Jae-Mul-Bo”) auf, das um das Jahr 1790 geschrieben wurde (zur Zeit des Königs Chông-Jo).
Zitat:
„Byun and Subak is Byun, Kakryuk is Mu and all these are being
called as Takkyon in Hangeul.”
Hangeul ist dabei die koreanische Schrift. Dieses Zitat deutet darauf hin, dass verschiedene chin. Zeichen seit einiger Zeit wie „Takkyon” ausgesprochen wurden. Das Wort ist wahrscheinlich also sehr viel früher als im 18. Jahrhundert benutzt worden. Genauere Informationen liegen uns nicht vor.
Oft wird in Texten über die Geschichte koreanischer Kampfarten auch das Buch „Muyedobotongji” aus dem Ende des 18. Jahrhunderts als Quelle herangezogen. Dieses zeigt folgendes Bild:
Es wird stark bezweifelt, ob diese 24 Bewegungen eine bestimmte Kampfkunst zeigen. Man beachte, dass hier chinesische Zeichen zur Beschreibung benutzt werden.
Man geht allgemein davon aus, dass Taekkyon oder seine Vorläufer schon im ersten Jahrtausend betrieben wurden. Wie man jedoch zu dieser Annahme kommt, ist uns nicht bekannt.
Im Übrigen ist die ganz frühe Geschichte des Taekkyon und der Kampfarten in Korea auch nicht sonderlich relevant.
Um Taekkyon zu verstehen, ist die Zeit seit dem 18. Jahrhundert sehr viel entscheidender.
Wie genau wurde Taekkyon zu dieser Zeit ausgeübt? Wer übte es? Wo in Korea wurde es trainiert? Dies sind Fragen, die mit Sicherheit mehr Früchte bringen als die Frage nach dem genauen Alter.
Durch Song Dok-Ki und Kim Hong-Shik wissen wir, wie sie Taekkyon um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelernt haben.
Da Taekkyon ein fester kultureller Bestandteil des Volkes war, kann man davon ausgehen, dass die zwei Männer es so erlernt haben, wie es schon seit einigen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten weitergegeben wurde.
Natürlich verändert sich eine Sportart oder Kampfkunst mit der Zeit, wie sich auch Kultur insgesamt verändert. Seit wann genau Taekkyon so aussieht, wie wir es heute kennen, wird wohl nie genau ergründet werden können.
Die Mitte des 19. Jahrhunderts reicht aber für ein Verständnis schon weitgehend aus.
HR
Warum starb Taekkyon beinahe aus?
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Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war Taekkyon in Korea nicht mehr weit verbreitet.
Dazu kam, dass die japanischen Besatzer es während des 2. Weltkrieges verboten mit der Begründung, es sei eine Aktivität, „die gute Sitten und Bräuche verletzt”.
Die gewaltsame Besatzung Koreas dauerte ca. 35 Jahre. In dieser Zeit wurde Taekkyon fast vergessen. Nach der Befreiung Koreas gab es zunächst keinerlei Aktivitäten, Taekkyon wieder bekannt zu machen.
Es tauchten schließlich in den 1980er Jahren zwei Männer auf, die Taekkyon beherrschten:
Song, Dok-Ki (*1893 †1987) und Kim, Hong-Shik (*1891 †20. August, 1984)
Besonders durch Song, Dok-Ki (unten ein Photo mit seinem engagiertesten Schüler Shin, Han Seung (*1928 †1987) ) wurde Taekkyon wieder verbreitet.
HR
Seit wann gibt es Wettkampf im Taekkyon?
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Die bekannteste Quellen, die Taekkyon-Wettkampf illustrieren, sind zwei Gemälde:
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1. Das „Dae-Kwae-Do”, gemalt von Yu, Sôk (*1827 †1873). Dieser war ein Maler des königlichen Hofes. Das Gemälde entstand 1846. Es zeigt oben Ssireum (trad. koreanisches Ringen) und unten Taekkyon bei einem Volksfest. Der Tanzschritt ist deutlich zu erkennen, auch die Armhaltungen sind typisch:
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2. Das Bild „Pung-Sok-Do”, gemalt von Kim, Jun-Keun (*???? †????). Das genaue Entstehungsdatum ist nicht bekannt, jedoch wird das 19. Jahrhundert genannt:
Außerdem wird um 1910 wird ein Photo von zwei Taekkyon-spielenden Kindern aufgenommen, auf dem deutlich der Tanzschritt mit der vorgebeugten Hüfte zu erkennen ist.
Allerdings ist unklar, ob es sich um eine Wettkampfszene handelt.
Der Photograph ist namentlich unbekannt. Er stammte aber aus Europa, lebte eigentlich in Japan und war auf einer Reise in Korea. Ihm war nicht genau bekannt, was er da fotografierte und beschrieb ein „Kinderspiel”.
Das Photo wurde in einem privaten Haus aufgenommen, kurz bevor Taekkyon von den Japanern verboten wurde:
HR
Woraus und wie hat sich Taekkyon entwickelt?
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Taekkyon wurde nicht „erfunden”, sondern hat sich über einige Jahrhunderte hin in Korea entwickelt.
Es ist unbekannt, ob es konkrete Vorgänger hatte oder ob es nicht-koreanische Einflüsse gegeben hat.
Die Techniken und Prinzipien des Taekkyon lassen jedoch auf keine Verwandtschaft zu anderen bekannten Stilen schließen, denn Ähnlichkeiten zu chinesischen oder anderen (modernen) koreanischen Kampfarten fehlen fast völlig.
Taekkyon soll früher vom koreanischen Militär benutzt worden sein, dann aber von der Oberschicht fallen gelassen und im Volk an Popularität gewonnen haben.
Im Taekkyon von Song Dôkki existiert eine Technikgruppe („Yaet-Bôb”), die vielleicht ein Überrest dieser militärischen Zeit ist, da diese Techniken recht brutal sind. "Yaet" bedeutet nämlich "alt" und "bôb" bedeutet "Technik". Diese gefährlicheren, harten Techniken werden also als "alt" angesehen, was darauf schließen läßt, dass sie älter sind als die weicheren und daher aus militärischen Zeiten stammen könnten.
Weil einige deutliche Ähnlichkeiten zum koreanischen Maskentanz („Tal-Jum”) existieren, kann man davon ausgehen, dass es eine Verwandschaft dieser beiden Bewegungsarten gibt und dass es (vermutlich gegenseitige) Beeinflussung gab.
Ebenso existieren einige Parallelen zur koreanischer Bauchatmung („Dan-Jôn Ho-Hûp”) bzw. Meditation („Dahn-Hak”) Auch hier hat es wohl kulturellen Austausch gegeben.
HR
Ist Taekkyon der Vorfahre des Taekwondo?
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Von einigen Vertretern des Taekwondo (nicht von allen!) wird dies behauptet. Taekkyon-Vertreter verneinen eine Verwandschaft. Wie kann man denn nun herausfinden, was richtig ist? Und wozu ist die Antwort überhaupt wichtig? Forscht man ein wenig nach, so lernt man sehr interessante Dinge über die Menschen und Geschichte, die in keinem Schulbuch stehen. Daher hier nur eine kurze Darstellung, denn entdeckendes Lernen ist immer noch das beste.
Hier gibt es zwei Ansätze (vielleicht gibt es noch mehr?) und wir wollen hier eine Antwort versuchen. Grundsätzlich müssen Sie sich aber natürlich Ihr eigenes Urteil bilden.
Wir möchten lediglich nicht, dass Taekkyon und Taekwondo gleich gesetzt werden, denn das entspricht nun wirklich nicht der Wahrheit und macht es uns schwerer, Taekkyon bekannt zu machen.
Häufig liest man in Darstellungen der Geschichte des Taekwondos auch, dass Taekkyon eine Art "unterentwickelte Vorstufe" oder ein "Vorläufer" des Taekwondos war. Taekwondo ist definitiv keine Weiterentwicklung des Taekkyon, sondern stellt einen ganz eigenen Entwicklungsstrang dar, der neben dem Taekkyon existiert.
<< 2005-04-03
Hier unsere Version:
1. Der geschichtliche Ansatz.
Taekwondo wurde hauptsächlich von dem koreanischen General Choi Hong-Hi (∗9.November 1918 †15.Juni 2002) entwickelt. Diese Tatsache wird aus politischen Gründen aber von Süd-Koreanischer Seite verschwiegen. Im Jahre 1955 schließlich wurde (ebenfalls maßgeblich durch General Choi) der Name „Tae-Kwon-Do” festgelegt.
Damals erinnerte man sich daran, dass es einst „Taek-Kyon” gegeben hat und beschloss, die neue Kampfart, die fast nichts mit dem traditionellen Taekkyon zu tun hat, ähnlich zu benennen.
Denn "Taekwon" und "Taekkyon" werden von Koreanern - und auch oft von Deutschen - sehr ähnlich ausgesprochen.
Choi hat laut eigener Aussage in Japan Karate gelernt. Er soll auch Taekkyon gelernt haben und den „schwarzen Gürtel” erreicht haben. Dies jedoch kann nicht sein, da es bis in die 1980er Jahre kein Prüfungssystem im Taekkyon gab.
Einen „schwarzen Gürtel” im Sinne einer Bestätigung des Erreichens eines bestimmten Grades gibt es im Taekkyon übrigens immer noch nicht.
Aus diesem Grund (oder besser „Gerücht”, denn es sind uns keinerlei Beweise für die Verbindung von Choi und Taekkyon bekannt) wird oft behauptet, dass Taekwondo eine Mischung aus Karate und Taekkyon sei.
2. Der technische Ansatz
Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Kampfarten ist, dass in beiden die Beine benutzt werden und relativ viele Sprünge vorkommen. Die Art und Weise, wie man tritt und springt ist jedoch vollkommen unterschiedlich.
Es gibt technischerseits keine weiteren Parallelen oder Gemeinsamkeiten. Der Taekkyon-Grundschritt ist im Taekwondo nicht vorhanden und Taekkyon hat im Gegensatz zum TKD fließende Hand- und Fußtechniken. Auch die Fußstellungen sind nicht vergleichbar.
Taekwondo hat sich in seiner jungen Geschichte rasch verändert und in verschiedene Stile aufgespalten. Besonders, wenn man traditionelle (bzw. ursprüngliche) Taekwondo-Stile mit dem Taekkyon vergleicht, fallen die Unterschiede und Gegensätzlichkeiten in der Bewegungslehre ins Auge. Die moderne, olympische Version des Taekwondo besitzt allerdings etwas mehr Ähnlichkeit zum Taekkyon, wenn auch die Unterschiede immer noch stark dominieren.
<< 2005-04-03
Taekkyon wurde am 01. Juni 1983 von der koreanischen Regierung der Titel „intangible cultural asset No. 76” (= immaterielles Kulturgut Nr. 76) zugesprochen.
Taekwondo konnte eine solche Registrierung trotz der Bemühungen der TKD-Gemeinde nicht erhalten, da geschichtliche Nachweise fehlen.
Jedoch wird immer noch (Stand: März 2004) von der World Taekwondo Federation behauptet, dass Taekkyon und sogar Song Dokki etwas mit Taekwondo zu tun hätten.
Taekwondo stammt zu viel größerem Teil vom Karate ab, als von irgendwelchen anderen Kampfarten. Karate wiederum wurde selbst erst 1921 von Okinawa nach Japan importiert, nachdem es die Okinawaner jahrhundertelang behütet hatten.
Das sogenannte „Okinawa-Te” wiederum ist laut Budostudienkreis Bensheim eine Mischung aus dem okinawanischen „Te” und chinesischen Kung-Fu-Stilen.
Eine wissenschaftliche, geschichtliche Untersuchung über die wahren Ursprünge des Taekwondo ist zu finden unter: http://www.argedon.de/akka/t_lehre/his_k.htm.
HR